Hinter dem erst einmal unspektakulär klingenden Vorhaben der Stadt San Francisco, alle nicht von der FDA (FDA = US-amerikanische Gesundheitsbehörde) zugelassenen E-Zigaretten zu verbieten, verbirgt sich tatsächlich ein komplettes Verbot von E-Zigaretten. Denn de facto erfüllt bislang kein einziges Produkt auf dem Markt die entsprechenden Vorgaben. Grund für diesen Vorstoß sind insbesondere die bei Jugendlichen immer beliebter werden E-Zigaretten von Juul. Die Firma Juul Labs, Inc. hat ihren Sitz in der einstigen Hippie-Hochburg im Norden Kaliforniens und ist den Behörden bereits seit Längerem ein Dorn im Auge.

Zu aggressives Marketing für unflexibles Produkt

Auf den Schulhöfen der USA sind die die Juul Vape Pens ein echtes Must-Have. Doch eigentlich dürfen die Produkte gar nicht an diese Altersgruppe verkauft werden.

Die Politik fordert deshalb Gegenmaßnahmen. Schließlich gefährden, so die Meinung der Zuständigen, E-Zigaretten die Gesundheit von Heranwachsenden. Während die meisten E-Zigaretten herstellerunabhängig mit neuem Liquid befüllt werden können, funktionieren die Vape Pens von Juul ausschließlich mit Einweg-Liquidbehältern des Herstellers, den sogenannten Pods.

Das nächste Problem: Nikotinfreie Liquids hat Juul nicht im Angebot. Der Mindestgehalt an Nikotin liegt stattdessen bei 20 mg. Geringere Nikotinstärken sind nicht erhältlich.

Juul: 1,3 Milliarden US-Dollar Umsatz in 2018

Hintergrund: Wie gefährlich sind E-Zigaretten wirklich?  

Beim Konsum von Liquids mit einer E-Zigarette kommt es zu keinem Verbrennungsprozess. Beim Dampfen entstehen also keine krebserregenden und anderweitig gesundheitsgefährdenden Stoffe wie Kohlenmonoxid.

Die verbleibende Gesundheitsgefahr bezieht sich auf das im Liquid enthaltene Nikotin. Dieser Faktor kann jedoch ausgeschlossen werden, indem ein nikotinfreies Liquid verdampft wird. Eine Möglichkeit, die Juul seinen Konsumenten nicht bietet.   
Weil Langzeitstudien fehlen und immer wieder mal Nanopartikel im Dampf gefunden werden, raten wir z. B. trotz nikotinfreier Optionen vehement vom Dampfen in der Schwangerschaft. Auch das seit 1. April 2016 in Deutschland geltende Verbot, E-Zigaretten oder Liquids (unabhängig vom Nikotingehalt) an Jugendliche zu verkaufen, unterstützen wir prinzipiell.  

Die E-Zigarette als Einstiegsdroge zu bezeichnen, geht unserer Meinung nach zu weit. Vielmehr steigt die Zahl von Menschen, die durch E-Zigaretten erfolgreich das Rauchen von Tabakprodukten aufgeben konnten. Auch den Schritt von nikotinhaltigen zu nikotinfreien Liquids vollziehen immer mehr ehemalige Raucherinnen und Raucher.

Damit kann die E-Zigarette nicht nur eine Einstiegs-, sondern auch eine “Ausstiegsdroge” sein.     Mehr zum Thema E-Zigarette & Gesundheit

Im letzten Jahr erwirtschaftete das noch recht junge Unternehmen satte 1,3 Milliarden US-Dollar. Für unglaubliche 12,8 Milliarden US-Dollar beteiligte sich zudem Altria (bis 2003 Philip Morris Companies) an dem “Startup”.

Ein kluger Schachzug des Konzerns, meinen Analysten, denn der Marktanteil im stark wachsenden Markt für E-Zigaretten beträgt bereits stolze 7 Prozent.

Gründe für das schnelle Wachstum sind das hochwertige Design und die Kompetenz gewiefter Marketing-Experten, die genau wissen, wie man die Zielgruppe erreicht und zum Kauf der Produkte animiert.

Statt zum heimlichen Rauchen, trifft man sich mittlerweile zum “Juuling” in einer uneinsehbaren Ecke des Schulhofs. Auch die Tatsache, dass keine “Fremdliquids” nachgefüllt werden können, trägt zum wachsenden Umsatz des Unternehmens bei.

Juul wehrt sich gegen noch nicht endgültig beschlossenes Verbot

Während der Generalstaatsanwalt von North Carolina strengere Werbemaßnahmen sowie eine Rückzahlung aller unrechtmäßig erwirtschafteter Gewinne fordert, stehen die Produkte von Juul (und damit auch andere E-Zigaretten & Liquids) in San Francisco vor dem komoletten Verbot.

Zwar wurde noch nicht endgültig über das Verbot abgestimmt, eine Mehrheit gilt jedoch als sicher. Juul hat bereits eine halbe Million US-Dollar für eine Kampagne bereitgestellt, mit der das Verbot im Zweifel wieder gekippt werden soll.

Kommentar: Ist Juul das schwarze Schaf der Branche?
  Die zwar schlaue, aber dadurch nicht unbedingt ethische und für die Branche sinnvolle Produktpolitik von Juul könnte dem Unternehmen selbst mehr schaden als nutzen.

Statt den Konsumenten die Wahl zu lassen, nikotinfreie oder nikotinhaltige Liquids zu verdampfen, zieht Juul sein Konzept der ausschließlich mit den eigenen Produkten kompatiblen Pods sowie dem hohen Nikotingehalt der Liquids konsequent durch.  

Begründet wird dies mit der Zielsetzung, Raucherinnen und Rauchern den Umstieg auf die elektrische und in jedem Fall weniger schädliche Variante (hier hat Juul Recht) so leicht wie möglich zu machen. Wieso das Produkt dann aber in einer Weise kommuniziert wird, die eindeutig auf eine sehr junge Klientel abzielt, ist fraglich.

Denn besonders viele (ehemalige) Raucher/innen befinden sich auf den Schulhöfen dieser Welt höchsten unter den Lehrkräften, die sich dort als Pausenaufsicht aufhalten.  

Ungereimtheiten, die letzten Endes zu einem Generalverbot in San Francisco führen (könnten) und die positiven Eigenschaften von E-Zigaretten weltweit in der öffentlichen Wahrnehmung überlagern.

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