Hilft die E-Zigarette beim Rauchstopp? Geht es nach der Weltgesundheitsorganisation, sei das nicht der Fall. Zahlreiche Ex-Raucher sagen hingegen, es ginge sehr wohl. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Studien zeigen, dass die Unmöglichkeit offensichtlich doch möglich sein kann. Diese Zeilen sind nicht zuletzt ein hervorragender Beweis dafür – denn es ist ein rauchfreier Artikel einer ehemals stark rauchenden Autorin: Mein Rauchstopp gelang ganz individuell mit der elektrischen Zigarette.

 

Was die Studien sagen: Der Rauchstopp auf wissenschaftlicher Basis betrachtet

Es gibt wenige Studien, die sich mit der E-Zigarette als Hilfsmittel zum Rauchstopp beschäftigen. Eine von ihnen wurde im Jahr 2013 im Fachblatt „Lancet“veröffentlicht. In Neuseeland bildeten Forscher drei Untersuchungsgruppen. Eine Gruppe versuchte den Rauchstopp mit Nikotinpflaster, die

 

Zweite mit der E-Zigarette und einem Liquid mit Nikotin und die Letzte, ohne es zu wissen, mit einer Placebo-E-Zigarette, die ohne Nikotin auskam. Nur wenige schafften es, den blauen Dunst zu besiegen. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren ebenfalls gering, doch die nikotinhaltige E-Zigarette konnte dennoch einen kleinen Vorsprung verzeichnen.

7,3 Prozent dieser Gruppe waren auch noch sechs Monate nach Start der Studie rauchfrei, 4,1 Prozent der nikotinfreien Dampfer ebenfalls. Mit 5,8 Prozent lagen die Ex-Raucher mit dem Nikotinpflaster in der Mitte. Eine andere Studie aus Italien betrachtet den Rauchstopp über zwölf Monate hinweg und wurde im Fachjournal „Plos One“ veröffentlicht. Hier traten E-Zigaretten mit unterschiedlichen Nikotinstärken gegen nikotinfreie Dampf-Varianten an. Auch hier sind die Unterschiede zwischen den Gruppen gering.

Alle Teilnehmer hatten das Rauchen jedoch reduziert, insgesamt schafften 8,7 Prozent die vollständige Abstinenz von Tabak. War die E-Zigarette dabei das hilfreiche Mittel? Die Studien könnten je nach Auslegung ein Argument dafür sein, sind jedoch kein Beweis.

 

Persönliche Erfahrungen: Kein kalter Entzug an zwei Fronten half

Studien sprechen die Sprache der Wissenschaft und sind nicht für jeden Raucher verständlich. Individualität ist beim Rauchstopp ebenso ein Schlüssel, wie eben genau diese Zeilen beweisen: Drei Versuche hat es gedauert, bis dieser Artikel ohne einen einzigen Zug an einer Zigarette entstand! Die E-Zigarette war ein enormes Hilfsmittel, denn gerade das Rauchen und das Schreiben gehörten fest zusammen.

Ich schreibe seit dem 12. Lebensjahr, mit dem Rauchen begann ich im Alter von 14. Zwanzig Jahre Kondition – eine extrem starke Gewohnheit. Und nun tippe ich einen Artikel über das Rauchen, den Rauchstopp und die E-Zigarette, ohne nur einen winzigen Hauch von Verlangen nach einer Tabakzigarette zu haben. Diesen Erfolg habe ich individuell meiner E-Zigarette zu verdanken. Der erste Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, war vor fünf Jahren zum Scheitern verurteilt, denn der Wille war zu schwach. Der zweite Versuch erfolgte mit eiserner Disziplin und mit Dampfen von nikotinhaltigen Liquids in der E-Zigarette. Die Macht des Glimmstängels sank, jede Zigarette, die ich nicht rauchte, war eine Freude für meine Gesundheit.

Aber ich konnte das Rauchen nicht vollständig besiegen. Die damalige Theorie: Das Nikotin hielt mich weiter auf Kurs. Erst der letzte Versuch ohne Nikotin in den Liquids der elektrischen Zigarette hat endgültig geholfen.

 

Fazit: Die E-Zigarette als Hilfs-, aber nicht als Zaubermittel

Ein Jahr nach dem Rauchstopp lautet daher mein persönliches Resümee: Die E-Zigarette kann den Entzug individuell gestalten – ob mit oder ohne Nikotin muss jeder Raucher selbst herausfinden. Das Dampfen erhielt mir die Gewohnheit gerade in gefährdeten Situationen: zur Tasse Kaffee, nach dem guten Essen, während des Schreibens oder bei Stress, Frust und Nervosität. Gerade dann, wenn diese Schlüsselreize aktiviert waren, half das Dampfen, um

Zigarette & Kaffee

Zigarette & Kaffee

weiter konsequent Nein zum Tabak zu sagen. Die E-Zigarette war Ablenkung auf der einen Seite, Ersatz auf der anderen. Dabei dampfte ich mich munter durch zahlreiche Geschmacksvariationen, von Bratapfelaroma über Tabakwürze bis zum Fruchtgeschmack. War die körperliche Sucht durch längere Abstinenz von Nikotin besiegt, konnte ich der Macht der Gewohnheit den Kampf ansagen. Irgendwann vergaß ich einfach, dass zur Tasse Kaffee eine Zigarette gehörte.

Heute gibt es für mich zahlreiche Kaffeestunden ohne sie. Dennoch darf es an Willen und Disziplin nicht mangeln, denn die E-Zigarette ist kein All-Heil-Zaubermittel.

Mit der richtigen Mischung wurde für mich das Unmögliche möglich: Schreiben, ohne zu rauchen – ganz auf meinen Geschmack abgestimmt. Nach 20 Jahren mit dem Glimmstängel ist das nun ab und zu das Apfelaroma. Wohl gedampft ist es, liebe (Noch-Nicht-)Ex-Raucher!

 

Informationen und Quellen zum Text

Links: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2813%2961842-5/abstract
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0066317

Bildquellen:

1. http://pixabay.com/de/lippen-rauch-weiblich-frau-gesicht-374516/

2. http://pixabay.com/de/zigarette-tee-nachmittag-218519/

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